Derzeit betreue ich das Stück „Die Dunkelkammer – Frei nach Erich Maria Remarque, Stratis Myrivilis u.a.“ als Produktionsleitung am Ballhaus Naunynstraße

Premiere: 10. Dezember 2015
(auf Deutsch und Griechisch mit Übertiteln)

Heute Nacht kämpfen nicht dreißigtausend Griechen gegen dreißigtausend Deutsche und Bulgaren, sondern sechzigtausend weiche menschliche Körper gegen unzählige stählerne Maschinen.

Das Leben im Grabe von Stratis Myrivilis

Ein Krieg, der anders ist, als jeder Krieg zuvor. Auf diese Kriegsmaschinerie waren weder der menschliche Geist noch der Körper vorbereitet. Tausende Tote täglich und unzählbare Verletzungen bei den Überlebenden. Soldaten, die an ihre psychische Belastungsgrenze gebracht und in Folge ihrer Traumata oft als „hysterische Simulanten“ abgestempelt wurden.


Zwei Männer. Zwei Sprachen. Eine Kammer. Die Paranoia kämpft sich in den Vordergrund, zielt auf den einzelnen Soldaten und trifft dabei ganze Gesellschaften. Wer ist dieser Mensch da drüben? Dein Bruder? Dein Feind? Ist er echt? Was ist da draußen? Werden wir dorthin gehen wollen?

Der Regisseur Kostis Kallivretakis begibt sich auf eine Zeitreise, nicht um fertige Antworten zu finden, sondern um den passenden Raum für seine Fragen zu schaffen: Wie lässt sich eine schockierte Gesellschaft begreifen? Menschen, deren Leben auf den Kopf gestellt wurde? Menschen, die nicht wissen, ob sie hoffen und kämpfen oder fürchten und kapitulieren sollen? Existenzen zwischen Krise, Krieg und Koma.

Kostis Kallivretakis geht ein Jahrhundert zurück zur ersten Generation Europas, zur schockierten Generation Europas. Seine für den Monika-Bleibtreu-Preis nominierte Inszenierung ist eine Dunkelkammer. Mal schemenhaft wahrnehmbar, mal messerscharf und lebendig entwickelt sich darin eine Ahnung, ein Erinnerungsbild dessen, was damals im Ersten Weltkrieg Shell Shock hieß und heute als Posttraumatic stress disorder gilt: Zusammenbruch und Selbst-Auflösung angesichts der modernen Kriegsmaschinerie.

Regie
Kostis Kallivretakis

Musik
Stavros Gasparatos

Ausstattung
Cecile Marcand

Licht
Catalina Fernández

Dramaturgie
Iury Trojaborg

Mit
Michail Fotopoulos
Frank Seppeler

Eine Produktion von Kultursprünge im Ballhaus Naunynstraße gemeinnützige GmbH. Erstproduktion gefördert durch den Bezirkskulturfonds Friedrichshain-Kreuzberg. Aufführungsrechte beim Rowohlt Theater Verlag, Reinbek bei Hamburg und bei der Edition Romiosini / CeMoG.