Black Lives Matter Berlin Protest 2016

Am 22. Juli ab 18 Uhr fand die zweite Black Lives Matter Demonstration in Berlin statt. Start der Kundgebung war der U-Bahnhof M*straße, der seine Bezeichnung aus dem brandenburgisch-preußischen Versklavungshandel ableitet und symbolhaft für den mangelnden Willen zur Auseinandersetzung mit rassistischen Fremdbezeichnungen in Deutschland steht.

Der Blick richtet sich nicht nur auf die Wirkweise von Rassismus in der Vergangenheit, sondern auch auf Ungleichbehandlung durch diskriminierende Ausländergesetzgebung und Racial Profiling sowie alle damit verbundenen Folgen für Schwarze Menschen, People of Color und vor allem für Geflüchtete. Gesetze und Polizeiaufgabengesetze, wie den umstrittenen § 63, Absatz 2 des Aufenthaltsgesetzes und den § 23 Abs. 1 Nr. 3 des Bundespolizeigesetzes befördern rassistische Polizeiarbeit und müssen endlich gestrichen werden!

Der Protestmarsch führte weiter über die Charlottenstraße, die Rudi-Dutschke-Straße, die Oranienstraße und dem Kottbusser Damm zum Herrmannplatz. Ab ca. 20.00 Uhr gab es dort neben Musikalischen Performances auch eine Speakers Corner – Beiträge von Schwarzen Aktivist*innen und Akademiker*innen sowie ein vielfältiges Programm, bestehend aus Spoken Word und Vorträgen werden Raum für künstlerische Auseinandersetzung und Reflexion schaffen.

Die Black Lives Matter Bewegung bekommt nicht nur in den USA großen Zuspruch, wo sie bereits 2012 nach dem gewaltsamen Tod des 17 jährigen Trayvon Martin gegründet wurde, sondern erhält auch international mehr und mehr Unterstützung. Auch in Deutschland findet eine zunehmende Solidarisierung mit der Black Lives Matter Bewegung statt, denn Fälle wie der Tod von Marieme N’deye Sarr im Jahr 2001 und Oury Jalloh im Jahr 2005 – beide wurden Opfer rassistischer Polizeigewalt – sind ein Beleg für institutionellen Rassismus hierzulande.

Der #BlackLivesMatter-Protestmarsch in Berlin richtete sich aber ebenso gegen das Verschweigen und Vertuschen von rassistischen und neofaschistischen Strukturen und Straftaten innerhalb deutscher Sicherheits und Ermittlungsbehörden und Politik, wobei die Vorkommnisse um den sogenannten NSU nur ein aktuelles wie schreckliches Beispiel darstellen.

Um aus dem Bedürfnis heraus, die Stimme zu erheben, hat sich eine Gruppe von Organsiatorinnen als ein feministisches Frauenkollektiv initial zusammengefunden, um Aktivist*innen und Demonstrant*innen in Berlin eine Plattform für Solidarität mit den Opfern von Polizeigewalt und Rassismus zu geben.

Unterstützt durch:
GENERATION ADEFRA : Black Women in Germany
ADEFRA Grassroots
ISD Bund e.V. Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V.
Initiative im Gedenken an Oury Jalloh
Pawlo Germany – Pan-African Women’s Empowerment & Liberation Organisation
Zentralrat der Afrikanischen Gemeinde in Deutschland e.V.
ReachOut – Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus
IDB – Institut für diskriminierungsfreie Bildung